Elodie Panoussopoulos — Sexualtherapie Zürich

Begehren in langjährigen Beziehungen

Am Anfang einer Beziehung scheint Begehren von selbst zu kommen. Du musst dich nicht anstrengen, die Anziehung ist einfach da. Mit der Zeit kann sich das verändern. Die Vertrautheit wächst, die sexuelle Spannung lässt nach, manchmal verschwindet sie ganz. Viele Paare erleben das und fragen sich, was passiert ist.

Die Antwort ist meist nicht, dass die Liebe weniger geworden wäre. Sondern dass am Anfang andere Mechanismen wirken als später. Wer das versteht, kann auch wieder etwas verändern.

Warum Begehren am Anfang fast von selbst entsteht

Am Anfang einer Beziehung ist vieles im Fluss. Das elektrisierende Gefühl bei jeder Berührung, die Gedanken, die ständig zur anderen Person wandern. Das ist nicht nur Einbildung, sondern hat eine körperliche Grundlage. Der Körper schüttet in dieser Phase Botenstoffe aus, die alles intensiver wirken lassen: die Anziehung, die Aufmerksamkeit, das Verlangen. Diese Phase trägt sich von selbst.

Dazu kommt: Die andere Person ist noch fremd, unbekannt, ein Stück weit geheimnisvoll. Du weisst noch nicht, wie sie wirklich ist. Genau dieses Anderssein erzeugt automatisch eine innere Distanz. Und diese Distanz ist es, die Spannung entstehen lässt.

Die schleichende Angleichung

Mit der Zeit verändert sich das. Ihr lernt euch besser kennen. Ihr wisst, was die andere Person mag oder nicht, wie sie reagiert. Daraus kann etwas Wertvolles entstehen: Verbundenheit und Vertrauen.

Aber etwas anderes kann sich ebenfalls einschleichen. Eine Angleichung. Ihr beginnt euch an das zu gewöhnen, was bekannt ist. Die eigenen sexuellen Wünsche oder Vorstellungen werden weniger wichtig. Was dann bleibt, ist ein gemeinsamer Nenner, der sich oft auf das reduziert, was unkompliziert für beide funktioniert. Das ist nicht per se schlecht, aber damit etwas lebendig bleibt, braucht es auch immer wieder Raum, um sich neu zu entfalten.

Das eigene sexuelle Profil pflegen

Was es braucht, ist nicht weniger Verbundenheit, sondern mehr Eigenständigkeit. Genauer: ein eigenes sexuelles Profil, das du kontinuierlich pflegst. Das sind die Wünsche, die Vorlieben, die Fantasien, die Empfindungen, die zu dir gehören.

In langjährigen Beziehungen passiert oft das Gegenteil: Man richtet sich ganz auf das Gegenüber aus, kümmert sich um dessen Wohl, denkt für die andere Person mit und hört dabei auf, sich selbst zu spüren. Das kann eigenes Begehren und das Begehren des Gegenübers einschränken.

Der Weg in die Veränderung führt über dich selbst. Jede Person trägt die Verantwortung für die eigene sexuelle Selbstbestimmung. Es geht darum, wieder zu dir zu finden und dich zu fragen: Wer bin ich als sexuelles Selbst und wie möchte ich mich darin zeigen?

Sich zeigen statt etwas Neues machen

Viele Paare denken, sie müssten neue Dinge ausprobieren, um die Lust zurückzugewinnen. Manchmal hilft das, aber oft nicht langfristig. Es geht weniger darum, etwas Neues zu suchen, als sich mit Neugier dem hinzugeben, was schon da ist. Das hat mehr mit Präsenz und Wahrnehmung zu tun als mit neuer Unterwäsche (auch wenn das auch schön sein kann). Sich zu zeigen heisst, präsent zu sein, die Sinne wach werden zu lassen und das nach aussen zu bringen, was man fühlt.

Dazu gehört auch, das Gegenüber immer wieder neu wahrzunehmen, als eigenständige Person, die man nie ganz kennt. So lässt sich die Neugier, die am Anfang selbstverständlich war, bewusst wiederbeleben. Das ergibt sich nicht von selbst, aber es lässt sich lernen.

Wie ich in der Sexualtherapie damit arbeite

In der Sexualtherapie begleite ich dich dabei, dein eigenes sexuelles Profil wieder zu schärfen: Welche Wünsche, Vorlieben und Empfindungen gehören zu dir? Welche Teile von dir hatten bisher keinen Platz, und was hast du dir vielleicht noch nicht erlaubt wahrzunehmen? So entsteht Raum für deine eigene Selbstentfaltung. Die Grundlage dafür, dass Begehren wieder lebendig werden kann.

Bei Paaren geht es darum, einander wieder als eigenständige sexuelle Person erleben zu lernen. Mit Neugier, mit Offenheit, mit dem Wissen, dass auch nach vielen Jahren noch nicht alles bekannt ist.

Was sich oft verändert: Begehren entsteht wieder. Nicht das gleiche wie am Anfang, aber in einer anderen Qualität. Eines, das ihr euch bewusst erschafft, statt darauf zu warten, dass es von selbst kommt.

Erkennst du dich oder eure Beziehung darin wieder? Dann begleite ich dich oder euch gerne dabei – als Einzelperson oder Paar, ganzheitlich und persönlich mit dem Ansatz Sexocorporel. Melde dich einfach via Kontaktformular oder Mail bei mir.

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